Thomas Lemmer: Still (2013)

Ein schönes Cover ist die halbe Freude beim Kauf einer CD. Das 12-seitige Booklet mit eindrucksvollen Bildern des bekannten Fotografen Javier Pardina assoziiert die Reduktion auf das Schlichte. Dementsprechend schleicht die Musik seidig sanft in das Gehör. Das Coverfoto ähnelt der mondänen Strandlandschaft von St. Peter-Ording und passt perfekt zu den relaxten Klängen des norddeutschen Sounddesigners Thomas Lemmer. Wer jetzt ein tiefenentspanntes New-Age-Programm erwartet wird überrascht sein, dass sich eine recht ausgewogene Mischung aus perligen Pop-Nummern und Chillout präsentiert.

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Dennoch muss ich mich an die sanfte Gangart der ersten Tracks gewöhnen. Doch schon bald zeigt sich im fünften Stück „Through my Father’s Eyes“ ein angenehmer Einfluss aus dem Smooth-Jazz-Bereich und macht den Sound würziger. Als schließlich im achten Stück die begabte Sängerin Naemi Joy einen deutschen Text mit dem Titel „Neues Land“ singt, bin ich verblüfft wegen der gewagten Gratwanderung, einerseits klingt es nach einer kitschigen Musical-Nummer, andererseits könnte es auch ein flauschiger Titel von Schiller sein. Auf jeden Fall originell. Von da an entwickelt sich die CD zu einer kontinuierlich angenehmen Chillout-Compilation. „Lunar Eclipse“ hat die Magie, die mich an Enigma erinnert. „Deep Water“ ist Electronic mit Gitarrensolo. „Already There“, eine tolle Songwriter-Perle, gefolgt von spannenden Flächensounds bis schließlich wieder die wunderbare Naemi Joy die exzellente Ballade „Dive“ singt. Es könnte der Höhepunkt sein. Wer poppige Electronic mit viel Gefühl mag, wird mit diesem Album bestens bedient sein. Sagen wir mal so: Würden in einem Cafe diese Songs als Hintergrundbeschallung klingen, wäre sicherlich jeder Gast verführt länger zu bleiben, egal welchen Geschmack er oder sie hat.

Hörproben:
http://www.mixcloud.com/ThomasLemmer/thomas-lemmer-still-mini-mix/

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