SPYRA: ,Staub‘ (24.10.2014)

Wieder einmal diente das Planetarium Bochum als perfektes Auditorium einer CD-Premiere. Unter, der mit millionen Sternen gesprenkelten, nachtschwarzen Kuppel präsentierte Wolfram SPYRA sein neues Album. Die erste CD unter neuem Label nach fast 5 Jahren Sendepause. SPYRA ist unbestritten eine Koryphäe in der Electronic-Szene. Ob Konsument oder Kollege, jeder hat großen Respekt vor diesem Künstler, der schon zu Beginn seiner Karriere in „Future Of The Past“ mit Klaus Schulze verglichen wurde. Er ist in den 90ern da eingestiegen, wo andere Elektroniker ihren Zenit erreichten. Doch SPYRA setzte kontinuierlich die Latte der Innovationen immer höher.

Umso mehr bin ich irritiert über sein neuestes Werk. Es ist für mich ein Rückfall in die Zeit, wo ,Tangerine Dream‘ mit ihrer sequenzerbetonten EM die Musikwelt eroberte. Das lief damals zwar recht erfolgreich, aber muss ein begnadeter Klangalchemist wie SPYRA so tief graben? Okay, es ist wie immer Geschmacksache und als Fan seiner Musik werde ich mich hüten irgendwelche musikalischen Ansprüche zu äußern. Es hätte Sternenstaub sein können – es war eher dunkle Materie – irgendwie undefinierbar. Wo sind die Ideen? Wo die redundanten Zutaten, die SPYRA so genial in seine Musik integrierte? Wo sind die exaltierten Überraschungsmomente? Wo die fetten Arrangements, die eine komplette Band samt Schlagzeuger, Bassist und Keyboarder simulierten? Wenn es die Absicht des Künstlers war, explizit die Fans der traditionellen EM anzusprechen, mag es ihm gelungen sein. Doch es gibt sicherlich auch Fans der superlativen „Orphan Waves“-Epoche. Die kommen hier eindeutig zu kurz. Ich zähle mich zu dieser Fraktion und sehe in jedem neuen Track nur ansatzweise seine Qualität. Im Großen und Ganzen höre ich nur banale Sequenzersounds und spröde Arrangements, die irgendwie nicht zünden. Vielleicht tu ich mich schwer mit den „Back to the Roots“-Verschwörungen, egal ob Electronic oder Pop. Nichts gegen rhythmusarme Ambientmusik, das Album „Staub“ allerdings ist sehr stimmungsabhängig. Vielleicht könnte ich in einer gewissen stillen Nacht meine Meinung revidieren. Gegenwärtig jedoch ist das für mich ein Satz mit X …

Hörproben:
http://www.butterfly-collectors.com/staub>

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