Peter Ries: „Dronespherism“ (2017)

Schon der Zungenbrechertitel läßt vermuten: Ist das Kunst oder kann das weg? Doch momentmal – der Interpret ist ein alter Hase in Deutschlands Pop-Landschaft. Er hatte schon mit Michael Cretu und Sandra sowie Sally Oldfield zusammengearbeitet, tourte mehrere Jahre mit Sandra durch Europa und trat als Bassist der Band auf. In den 2000ern produzierte er für die „No Angels“. Dann war es viele Jahre still um ihn und er experimentierte mit den Synthies diverse Soundtracks. Das aktuelle Online-Album ist mittlerweile sein zweites Soloprojekt. Es beginnt im Intro sehr spannend und sphärisch …

Was sich dann als zweiter Track präsentiert ist eine Offenbarung. Oh ja, das ist definitiv Kunst par excellence. „Facing Humanity“ ist wie Musik aus der Zukunft. Eine atemberaubende, harmonische Klangkulisse mit klatschendem Wasser als Rhythmus, mit einer männlichen Gesangsstimme, die mich fesselt, mit einer weiblichen Sprechstimme aus dem Off, die fasziniert, mit Effekten, die mich inspirieren. Herrlich, was für ein lebensbejahender Hammertrack!
Dieses Level kann wohl kaum gehalten werden. Dennoch sind die folgenden Songs gar nicht mal so übel. Es wechseln sich melodische, sphärisch-hochwertige Instrumentals wie „Said and Done“, das sehr an „I’m Not In Love“ von Ten CC erinnert, oder „Deep Blue Orbit“ und ganz besonders „Drifting“ mit poppigen Gesangsnummern ab. Diese jedoch erwecken in mir den Eindruck, als wären sie vom letzten SCHILLER-Album. Weibliche Gesangsstimmen von durchaus hohem Niveau im Einklang mit elektronischen Flächen – doch letztendlich süßliche Songs, die zumindest bei mir kein Leuchten erzeugen. Unterm Strich heben die glimmernden Ambientsongs und der sensationelle zweite Track dieses Defizit allerdings wieder auf. Empfehlenswerter Geheimtipp zum Start ins neue Jahr.

2 Gedanken zu „Peter Ries: „Dronespherism“ (2017)“

  1. Cool – es gibt doch noch wieder neue Elektronik, die wir „älteren“ gerne hören. Denn was bei iTunes unter Elektronik angeboten wird ist nur für die junge YouTube-Generation bestimmt.

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