Paddy McAloon & Prefab Sprout

Einer der faszinierendsten Figuren in der Welt der Pop-Musik ist Paddy McAloon, Sänger und Gitarrist von „Prefab Sprout“. Eigentlich gehört er in die gleiche Riege neben Weltstars wie Paul McCartney, Sting oder Bob Dylan. Doch auf Publicity und gutes Aussehen legte der Künstler eh keinen Wert. Eigentlich ist er Scharlatan und Genie zugleich. 1990, auf dem Höhepunkt seiner Karriere behauptete er in einem Interview, er sei der beste Musiker der Gegenwart.
Die fatale Selbstüberschätzung rächte sich nur wenige Jahre später, eine langwierige Krankheit setzte ihn fast 10 Jahre außer Gefecht. Auf seine Kreativität allerdings hatte es keinen Einfluss. Paddy McAloon experimentierte mit instrumentaler Kammermusik und komponierte viele unveröffentlichte Pop-Songs. In den folgenden Jahren ist er zum Einsiedler geworden. In einem Interview im Sommer 2013 sagte er: „Im Grunde möchte ich in Ruhe gelassen werden”.


Ein paarmal jedoch überraschte der geniale Songschreiber die Popwelt mit einem neuen Album seiner Band Prefab Sprout. Das aktuelle Album „Crimson Red“ enthält die von ihm gewohnte Parallelwelt zur Popmusik. Alternative Sounds mit verrückt-vergnüglichen Texten, jedoch keine Ohrwürmer wie zu Zeiten der „Cars and Girls“. Der Komponist selber beschreibt seine neue CD so: „Das Hauptkriterium war, dass es Songs sein müssen, die ich ziemlich schnell und einfach auf der Gitarre würde spielen können. Keiner der Tracks hat eine Million Akkordwechsel, nicht so sperrig wie zum Beispiel bei unserem ersten Album ,Swoon’ (1983). Ich könnte jeden dieser neuen Songs jetzt hier vorspielen und das würde reichen, um den Song zu transportieren, nur die Stimme und die Gitarre.“
Konträr zu seinem greisenhaften Aussehen fasziniert nach wie vor die junge, frische Stimme des 57jährigen, die in 30 Jahren nichts an Ausstrahlung verloren hat. In seiner gesamten Karriere allerdings war Paddy McAloons größtes Potential die abenteuerlichen Texte. Spielerisch leicht verbindet er die passenden Noten mit gut verständlicher Prosa von Moses und dem brennenden Busch, von wilden Pferden, von Steve McQueen und schnellen Autos, vom größten Juwelendieb der Welt, von der Andromeda-Galaxie und natürlich vom Mysterium der Liebe. Im aktuellen Interview erwähnte er, dass er an die 400 unveröffentlichte Songs in Kisten gehortet hat und immer noch auf der Suche nach dem einen perfekten Song ist.
Während ich den Text hier schreibe läuft im Hintergrund das 1990er Album „Jordan, the Comback“. Ich verstehe allzu gut, warum Paddy McAloon behauptet, seine Musik gibt ihm und anderen Menschen Lebenskraft. Beim herausragenden Song „One of the Broken“ bekomme ich immer wieder Gänsehaut. Unfassbar, wie kann ein Mensch allein dieses Prachtwerk erschaffen haben? Leider gibt’s davon kein Video.

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