Musik: SCHILLER Atemlos

Inspiriert durch eine Expeditionsreise mit einem Forschungsschiff in Richtung Nordpolarmeer und Tauchfahrten in bis zu 2500 Metern Tiefe, komponierte Christopher von Deylen sein neues Album. Speziell der Instrumentaltitel „Polarstern“ entstand an Bord des gleichnamigen Schiffes. Ein genialer Song zum Träumen, der vor dem inneren Auge die Eisschollen auf dem tiefblauen arktischen Meer glitzern läßt.

SCHILLER Atemlos

In atemloser Schnelligkeit hat der Berliner Soundvisionär wieder ein Doppelalbum produziert, das allein schon aus diesem Grund den Respekt verdient. Mir liegt die Ultra-Deluxe-Ausgabe vor, d.h. zwei CDs, eine DVD und ein Booklet, das auf druckfrisch riechenden Kartonseiten wunderschöne Illustrationen enthält. Auf CD 1 tummeln sich 16 Tracks, CD 2 noch mal 13 Titel und die DVD beeinhaltet neben Video-Clips noch einen Kurzfilm über die Expedition. Eine fette Beute, von der ein Musikfeinschmecker sicherlich lange Zeit zehren kann.

Verglichen mit den letzten Alben bleibt die neue SCHILLER stilistisch seiner Linie treu. Allerdings springt bei mir persönlich erst ab dem zehnten Stück der Funke der Begeisterung über, aber dann durchgehend, was natürlich bei 29 Titeln sehr beachtlich ist. Vielleicht erhält das Sprichwort „weniger wäre mehr gewesen“ offenbar wieder eine Gültigkeit. Die Konfrontation mit einer mehr oder weniger gediegenen Musik, streckenweise melancholisch, versunken in der Tiefe des Ozeans oder der eigenen Seele, verursacht bei mir eine verunglückte Erwartungshaltung. Wo früher die Songs mit den Gastsängern für Ohrwurmqualität sorgten, muss ich mich an die Gangart des neuen Albums erstmal gewöhnen. Als ich mir um Mitternacht bei sternenklarem Himmel die Musik erneut zu Gemüte führte, wurde mir klar: „Atemlos“ ist ein Album für den „zweiten Blick“ … von besonderer Qualität … düster, doch nicht trostlos … voller Schwingungen … wie der Flügelschlag eines Seeadlers über der windgepeitschten Küste. Lediglich die Single-Auskopplung „Try“ hat Hitpotenzial, alle anderen Songs bereichern mein persönliches Archiv an anspruchsvollen Musikarrangements immens.

„Atemlos“ ist durchweg angenehm – und stellenweise sogar atemberaubend.

Will Lücken

2 Gedanken zu „Musik: SCHILLER Atemlos“

  1. Nun, nach dem der zweijährige Zyklus des Wartens auf die neueste Veröffentlichung „Atemlos“ aus dem Hause von Deylen am Freitag rechtzeitig vorüberging, war die Vorfreude auf dieses Ultra-Paket natürlich groß. Nach dem Auspacken die erste große Freude, das auf Keilrahmen gezogene Bild mit der Limitierungsnummer und der Signatur überzeugt sowohl vom Motiv wie auch von der Verarbeitung her. Es ist – wohl auch Sinn der Ultraedition – ein persönliches Stück Schiller für jeden Fan und Verehrer der Musik.Prima Idee !! Meine ganz persönliche Klangreise durch „Atemlos“ beginnt mit der von mir sehnsüchtig erwarteten Bonus – CD „Atemlose Klangwelten“. Und ich muss neidlos anerkennen, diese Bonus – CD ist ein – MEISTERWERK !! SCHILLER AT ITS BEST!! Der Titel „Klangwelt EINS“ mit mehr als 11 Minuten satten, teils elegischen Klängen schnürt einem fast die Kehle zu und dieses Gefühl setzt sich auch auf der gesamten CD fort. Versiert, experimentierfreudig und innovativ hat es von Deylen geschafft, hier ein musikalisches Gesamtkunstwerk zu schaffen. Klangfarben und Mischung vom Feinsten, Spiel mit Tönen und Effekten, absolut überzeugend und in Deutschland derzeit unerreicht. Manchmal erinnert die Bonus – CD an die Zusammenarbeit mit Harald Blüchel und den beiden ebenfalls meisterhaft intonierten Alben „BiPolar“ und „Mare Stellaris“ und hätte auch gut als Fortsetzung dieser fantastischen Zusammenarbeit dienen können. Besonders hervorzuheben ist auch noch der Titel „Klangwelt Fünf“, der spannend arrangiert und dargeboten wird, man möchte einfach nie aufhören dem Sound zu lauschen. Fast traurig wird man, geht die CD mit „Klangwelt Sechs“ zu Ende, aber der „endtitle“ hat es in sich und man ist versucht, sofort das ganze Kunstwerk noch einmal zu genießen. Schiller-typische Klangelemente, die man glaubt, schon irgendwann mal irgendwo gehört zu haben wurden zu einem unsichtbaren Teppich verwoben und man genießt und schweigt. Mit einer Gesamtspielzeit von 46,9 Minuten kann man sich damit jederzeit vom irdischen Leben verabschieden und in den Klangwelten seine persönlichen Träume vorbeiziehen lassen. Insgesamt die überhaupt höchste zu vergebende Gesamtnote! Schade für all diejenigen, die sich nicht die Ultraedition gekauft haben und dieses Klangerlebnis nicht erleben dürfen. Weiter geht die atemlose Reise durch die CD 1: Nachdem das inzwischen liebgewordene Intro vorbei ist, wird man von Tiefblau umhüllt. Wahnsinn, das ist die für Schiller so typische Musik, einzigartig, mystisch und absolut überzeugend. Akzeptabel ist auch „playing with madness“, bevor es weiter zu „Atemlos“ geht. Fordernde Synthiepassagen, stark basslastig aber kraftvoll und den Rhythmus formend, wunderschön! Krass dann der Umschwung zu „Try“, der ersten Single-Auskoppelung, aber so ist Schiller wohl im Jahre 2010, einerseits ein Künstler, der so feingliedrige Electronicamusik machen kann und dann solche Stücke auf die Alben packt, wems gefällt, der soll sich global pop anhören, mir gefällt es nicht. Ungeschickter Stilbruch auch von der Anordnung des Titels. So auch der Titel mit Anna Maria Mühe, einmal war es gut (Sehnsucht), jetzt ist es wenig „Unruhig Herz“. „Leidenschaft“ und „Blind“ sind gut gemeinte Versuche, etwas Exotik und Neues zu bringen, passen aber meiner Ansicht na nicht so recht in die Gesamtlinie des Albums.“Soho“ dagegen ist ein typischer Schiller-Knaller, der live bei den Konzerten, die ich in Düsseldorf, Trier und Berlin und Hamburg verfolgen werde, sicher wieder die Hände zum kollektiven Abklatschen animiert, toll! Völlig misslungen ist der Titel „let it rise“ mit dem Altmeister Midge Ure, langweilig und düster. Da geht schon der „Polarstern“ auf: Das Glockenspiel zu Anfang läutet gemächlich die Erinnerungsreise an alte Schiller-Stücke ein, geschickt gemacht, aber es wird auch deutlich – wie auf dem gesamten Album festzustellen – das Mickey Meinert hier schmerzlich an der Gitarre vermisst wird! Deutlich wird das beim Intro von „Dont go“, einem Stück, dass ebenso in die global pop – Sparte gehört, aber irgendwie trotzdem überzeugt, sei es durch die glasklare Stimme der Interpretin, sei es durch die Ruhe, die dieses Stück vermittelt.“Moments“ überrascht durch Hewitts so typischer Klangmodulation der englischen Sprache und dem Habitus einer Hymne. Der Abstecher in die Welt des Pop setzt sich fort mit der von Lenka gesungenen Nummer „Addicted“, wers mag. „Morgenland“ ist eine zunächst ruhige Nummer mit ungewohnt starkem perkussionistischem Einsatz, untypisch für Schiller – aber durchaus gut.Die CD endet mit „Lost“ und Odette di Maio, ein Versuch, schon bei Schiller Gehörtes in die Tradition neuer Alben mit zu integrieren. Und schon sind wir bei CD 2, das mit „La Mer“ furios beginnt, einer der besten Titel von Schiller überhaupt – fragil, emotional und die Sinne verführend. Wer schaut dabei nicht mit weit geöffnteten Augen über den Ozean und versinkt verschmolzen mit den Klängen im Horizont? (Ein Geheimfavorit für die nächste Edition aus der cafe del mar – Reihe).Beginnend mit „Sunrise“, das im Stile von Björk (wie schon so oft bei Schiller) vorgetragen wird, sind herausragende Titel eher rar auf CD 2, zu sehr poplastig und irgendwie redundant und an frühere Schiller-Titel erinnernd. Eine Überraschung ist dabei „un solo minuto“ auf italienisch gesungen, völlig neu für Schiller, ein Titel, dem man so eine Aussage wie „global pop“ auch abnimmt. Nicht herausragend, aber eben mal neue Wege beschreiten. Man wird dann wieder entlohnt durch „Salton Sea“. Ob der Titel nun eine Reminessenz an den gleichnamigen Thriller ist oder die Inspiration vom größten See in den USA stammt, ein klasse Stück! Und dann kommt die Ikone von Schiller – leider nur mit dem Song „under my skin“ vertreten, die Rede ist von Kim Sanders. Was wäre Schiller ohne die Frontfrau, die es wie keine andere versteht, mit Ihrer Stimme und Ausstrahlung ganze Hallen in Wallung zu bringen. Und ihre Professionalität spürt man auch bei der Darbietung dieses Stückes. Und dann kommt die wohl stärkste Passage auf dem gesamten Album mit „Hochland“ und „Himmelblau“, Wahnsinn, perfekt dargeboten und trotz hohem Wiedererkennungswert völlig neu. Chapeau auch für Herrn Kretschmar für seinen Cello – Einsatz auf „Hochland“.Tangerine Dream werden bei diesen beiden Titeln wohl tief schlucken, Ja Herr Froese, so kann man 2010 auch elektronische Musik machen. Die Geschichte der DVD ist schnell erzählt: Musikalisch betrachtet sind „Luft“ und „Wasser“ kleine Diamanten und sehr ruhig gestaltet, ideale Musik zum Entspannen. Kritisch sehe ich das mitgelieferte Bildmaterial, es erzählt weder eine Geschichte noch ist es unterhaltsam, sich Satelittenbilder oder Tiefseeluftbläschen minutenlang anzusehen. Sollte der Sinn einer DVD aber die höhere Kapazität in der Klangwiedergabe (5.1) gewesen sein, so ist dieses Ziel von der Akustik her voll erreicht. Ob nun die Session mit Altmeister Jaki Lieberzeit unbedingt mit drauf musste, darf hinterfragt werden. Eine wenig Privates liefern die Bilder von der Arktisexpedition mit der musikalischen Untermalung von „Polarstern“, hübsch gemacht. Mehr als ein Bonus ist die DVD aber nicht und war wohl auch nicht anders gedacht. Zusammengefasst: Wer Schiller abgeschrieben hatte, wird hier nachweislich eines besseren belehrt. Den Weg des „global pop“ muss man nicht mögen und mitgehen, jedoch was die Facette electronica und ambient betrifft, so ist Christopher von Deylen – jedenfalls in Deutschland – unerreicht. Klarer Aufwärtstrend nach den Alben „Tag und Nacht“ sowie „Sehnsucht“, überzeugend vor allen Dingen in der Gesamtheit der Veröffentlichung. Die Bonus – CD mit den Klangwelten ist eine Pionierarbeit und wegweisend für das Genre im Jahre 2010, das Album und die darauf enthaltene Musik macht Appetit auf einen Konzertbesuch und belegt: Man muss sich selbst ein Bild machen, um mitreden zu können, Schiller nimmt einen mit auf eine Reise in Träumerei und Emotionalität, wer kann so etwas heutzutage musikalisch bieten. „Atemlos“ ist kein Meilenstein wie „Leben“ oder Weltreise“, zu bekannt und ge
    läufig sind die Schiller-Klänge den Ohren geworden. Aber es ist ein tolles Album mit einer herausragenden Bonus – CD. Ich habe mit Schiller meinen Frieden gemacht und andere sollten es auch mit mir tun, ich freue mich über ein gelungenes Album und auf die Konzerte in Düsseldorf, Trier, Berlin und Hamburg .

  2. ich liebe das album!
    sehr guter sound!
    immer wenn ich das album höre, bekomm ich gute laune =)
    freue mich auch schon auf das konzert in hamburg =)
    habe mir eben schonmal nen kleinen live-vorgeschmack auf dieser seite: http://www.atemlos.tv/ geholt =)
    einfach toll =)
    das müsst ihr euch anhören!

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