Musik: Moonbooter World of Apes

Nach „Cosmoclimax“, seinem tollkühnen Ausflug in die entfernten Regionen des Weltalls, kehrt Moonbooter zurück auf den Heimatplaneten und entdeckt eine Welt voller Chaos und Wahnsinn. „World of Apes“ klagt mit Zynismus den selbstzerstörerischen Wahnsinn einer überdimensional nuklearbewaffneten Weltbevölkerung an. Ein Konzeptalbum, das ohne den erhobenen Zeigefinger, sondern dokumentarisch die atomare Bedrohung als Headliner hat. Es zeigt sich einmal mehr, dass gerade Elektronische Musik neben dem akustischen auch einen thematischen Anspruch aufweisen kann!

Moonbooter

Das Album startet mit Geigerzähler-Fragmenten der ersten Atombombenexplosion 1945. Wehmütige Klänge breiten sich aus … bis plötzlich ein fulminanter Rhythmus einsetzt und der Sound wie eine Mad-Max-Endzeitmaschine knarrzend und walzend durch verödetes Wasteland zieht. Starker Opener! Gleichwertig spannend geht’s im zweiten Stück weiter. Mönchsgesang kündigt die drohende Apokalypse an, passend dazu der YouTube-Videoclip: Der Mensch als Zuschauer in der ersten Reihe beim Feuerwerk der Atombombenexplosionen. Man spürt Moonbooters Liebe fürs Detail, die unterschiedlichen Sounds und faszinierenden Effekte zu verbinden. Coole, sequenzerbetonte Electronica, gespickt mit historischen Tonaufnahmen, dazu moderne, kraftvolle Grooves. Das läßt stellenweise die Membranen ordentlich vibrieren.

Dennoch, nicht alle Songs sprechen mich an. Das sage ich nur, weil Moonbooter mit „Cosmoclimax“ die Messlatte ziemlich hoch gelegt hat. Das geschmeidige „Cowboy und Indianer“ finde ich wiederum sehr reizvoll. Alle Tracks erzählen bildgewaltige Geschichten und die letzten 3 Stücke überzeugen sogar künstlerisch. Ein Highlight: „The Melancholy Within“ … geiler Rhythmus, melodisch und enorm positiv! Das Finale setzt sich aus melodramatischen, heroischen Elementen zusammen. Ein würdevoller Abgang. Ein aufregendes Album.

Will Lücken

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