Lindsey Buckingham: Seeds We Sow

Als Fleetwood Mac auf dem Höhepunkt ihrer Karriere durch die größten Konzerthallen der Welt tourten, hatte ich das unvergessliche Vergnügen die Band live zu erleben.

Leadgitarrist Lindsey Buckingham entzündete wie ein Derwisch ein Feuerwerk auf seinen diversen Gitarren. Ohne Plektrum improvisierte er blitz- und donnerartige Soli, wo man selbst in den erstaunten Gesichtern von Bandkollegen Stevie Nicks oder Mick Fleetwood lesen konnte: Wow, this guy is amazing!

Lang ist’s her, doch seine Gitarrenspielkunst hat (nicht nur) auf mich einen ewigen Eindruck hinterlassen. Mehrmals wurde der begnadete Künstler zum besten Gitarristen der Welt gekürt, auf seinen Bekanntheitsgrad jedoch nahm es merkwürdigerweise wenig Einfluss. Offenbar war es Mr. Buckinghams zurückhaltende Art, die ihn bis heute ein Privatleben trotz Mega-Erfolge erlaubte.

Egal, sein mittlerweile sechstes Solo-Album „Seeds We Sow“ produzierte er erstmalig im eigenen, gartenumsäumten Heim-Studio, ganz easy und leger. Die Ernte wurde eine Saat des Guten. Erfrischende, gitarrenlastige Popmusik, die sich von der Konkurrenz doch irgendwie absondert. Lindsey Buckinghams eigenwilliger Stil zeichnet sich durch minimale Songstruktur aus, als würde er tief im Acker der puristischen Melodien graben und mit Hilfe seiner flinken Finger an den Saiten und der einzigartigen Stimme zeitgemäße, köstliche Ohrenschmeichler kreieren, nix computererzeugtes, quasi ein Bioprodukt der Musikbranche. Trotz aller Virtuosität und Power bleiben immer Gefühl und Seele dominierend. Seine Texte handeln von der Traurigkeit des Clowns, gesungen von einer Stimme, die sich zwischen Flüstern und Schrei bewegt.

Fazit: Die ersten Songs des Album sind trotz aller Schönheit für den Einen oder Anderen gewöhnungsbedürftig, anspruchsvolle Lieder zünden nicht immer beim ersten Mal. Ab dem unwiderstehlichen Ohrwurm „When She Comes Down“ allerdings entwickelt sich ein kontinuierlich warmes Geborgenheitsgefühl mit wunderbar melodischen Songs. Einziges Manko wäre eventuell das fehlende atemberaubende Gitarrensolo. Egal, als Gitarrenalbum: einfach grandios. Absolut empfehlenswert. Allererste Sahne.

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