Joachim Witt – DOM (2012)

Der „Goldene Reiter“ der Achtziger Jahre ist wieder da. Mit Rauschebart und silbergrauem Haar demonstriert Joachim Witt, dass sein Herz auch jenseits der Sechzig unaufhörlich im Rhythmus der Musik schlägt. Sein neues Album DOM startet mit einer einschmeichelnden Pop-Nummer „Gloria“. Der dazugehörige, ziemlich waghalsige Video-Clip allerdings erregte viel Aufsehen. Doch nicht nur das ist überraschend.


Was der einstige Gründer der Neuen Deutschen Welle hier abliefert zeugt von ausgereifter Kompositionskunst. Jeder einzelne Song verblüfft total, somit könnte für jeden was dabeisein. Ein Beispiel: „Königreich“ fängt sanft und elektronisch fließend an – bis plötzlich der Refrain durch die Boxen kracht, der unwillkürlich an die „Toten Hosen“ erinnert. Das ist deutschsprachige Songwriterkunst, die einen Spagat zwischen Pop, Punk und Gothic schafft und davon gibt’s so einiges. Mit einer teilweise düsteren, zerbrochenen oder donnernden Stimme (wie im Titelstück „Dom“).
Joachim Witt war nie der große Sänger, völlig unwichtig bei der Interpretation dieser grandiosen Songs. Fast alle Lieder prallen auf den Hörer nieder mit einem Mega-Wow-Effekt und irgendwo huscht auch dann und wann der Schatten des goldenen Reiters durch die Szenerie. Die zermürbenden, unter die Haut gehenden Texte beschreiben immer noch den elendigen Liebesschmerz, eingebettet in einzigartig  schöne Balladen wie „Tränen“, „Komm nie wieder zurück“ oder „Untergehen“. Joachim Witt präsentiert das Extreme in einem opulenten Meisterwerk. Das geht echt  tief.

httpv://www.youtube.com/watch?v=4unZ0fSkJ30

7 Gedanken zu „Joachim Witt – DOM (2012)“

  1. Inzwischen ist sein Video zu „Gloria“ verboten … einfach lächerlich, weil sich sie Bundeswehr durchgesetzt hat. Eigentlich schade, dass nur sein Videoclip Schlagzeilen macht. Die gute Musik des gesamten Albums kommt dabei viel zu kurz.

  2. … auch schade, dass in diesem Forum so wenig Resonanz auf dieses Album kommt. Für mich und meine Musikfreunde ist Joachim Witt gegenwärtig die Nummer 1.

    1. Also ich habe mit Herrn Witt auch nicht mehr so viel am Hut. Ich find’s gut, dass er noch da ist und immer noch Musik macht, aber ich hatte nicht mal Zeit, mehr als deinem Video-Link zu folgen und da dann kurz seine Musik zu hören. Wo sind eigentlich die entspannten alten Zeiten hin? 🙁

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