Jens Buchert: „Interstellar“ (2011)

Für mich gehört der Sound-Designer Jens Buchert nun endgültig zur weltweiten Elite der Electronic-Musiker. Um das Level nach seinem exzellenten letzten Album („Aeon in Motion“) gleichwohl hoch zu halten, bedarf es eines enorm kreativen Potenzials. Kein Problem für den fleißigen Klangkünstler aus Stuttgart. Auch die neue CD „Interstellar“ ist ein Hammer an spritziger Instrumentalmusik. Jens Bucherts Spezialität ist Sounds zu produzieren, die zwar dezent aber dennoch erfrischend wirken, nicht unbedingt Chartaffinität mitbringen, aber einen hohen Unterhaltungswert bieten.

Wie der Titel schon andeutet – auf „Interstellar“ geht es ziemlich spacig ab. Dazu fällt mir eine amüsante Assoziation ein: Wer kennt noch die kultige Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille Orion“? Schon damals entwarf der Filmkomponist Peter Thomas tanzbare Klangexperimente, die noch heute Begeisterung auslösen. Jens Bucherts neues Album könnte der Soundtrack für eine innovative Fortsetzung dieser Zukunftsvision sein. Fluffige Downbeats als Fitnessprogramm für Astronauten. „Phoenix Sleeping“ zum Beispiel hört sich an, als ob ein mächtiges Raumschiff gerade abhebt. Den Sternen entgegen geht’s im groovigen „Spaceglider“, wer da noch regungslos bleibt, dem ist nicht zu helfen (Anspieltipp!). Doch keine Sorge, auch in heimischen Wohnzimmern klingt diese Musik fantastisch.

Fernab von den einfallslosen Sequenzerflächen der EM-Traditionalisten zeichnet Multiinstrumentalist Jens Buchert vielschichtige Klangcollagen, massive Bassläufe, knackige Percussions. Perliges Gitarrenspiel wie in „Swift“ oder futuristische Vocoder-Vocals in „Never Ending“, Charme und Power im Titelstück. Dabei klingt alles so fett, als wäre eine komplette Band am Start. 1a Produktion. Kein Wunder, wenn die Tracks beim ersten Hören mehr Verwunderung als Berührung auslösen, gerade darin liegt die Kunst der Zeitlosigkeit. Somit entfaltet jeder einzelne Song seine Qualität beim intensiven Mehrfachhören. „Interstellar“ ist definitiv ein Fest für verwöhnte Ohren.

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