Musik: David Lynch – Crazy Clown Time (2011)

Unvergesslich sind die Szenen aus der Kultserie „Twin Peaks“, wo David Lynch als schwerhöriger FBI-Agent laut schreiend ein Geheimgespräch unter vier Augen mit Kollege Agent Cooper führte. Dieses künstlerisch Bescheuerte zieht sich durch die gesamte Schaffenskraft des Regisseurs, Autors und Musikers. Auch sein neuestes Werk, ein Musikalbum, strotzt nur so vor Absurdidäten und verrückten Träumen. Dennoch fasziniert diese Musik weitaus mehr als die von den vermeintlich „bösen“ Ghettorappern. Bei David Lynch ist der Wahnsinn und das Böse authentisch und omnipräsent wie das düstere Universum.

Wie es sich für einen typisch amerikanischen Musiker gehört, zieht sich eine erdige Bluesmusik durch das gesamte Album. Doch die Arrangements sind „verflucht“ hypnotisch, da ist nichts Traditionelles, nichts Nostalgisches. Total abgefahrene, fremde Klänge verschmelzen sich mit David Lynchs, bis zur Unerträglichkeit verfremdeten, Stimme. Der Künstler exerziert ein breites Spektrum an Irritationen und Visionen durch, immer mit einem entzückenden Maß an Exzentrik, immer überraschend und immer wieder fesselnd.

In seinem Studio am berüchtigten Mulholland-Drive, Los Angeles, konstruierte der 65-jährige zusammen mit einem Gitarristen und einer Gastsängerin sein erstes, eigenes Soloalbum. „Crazy Clown Time“, der Titel ist Programm. Ein kühnes, experimentelles Ohrenkino, das eine Gewissheit in sich birgt: Wohl kaum zwei Hörer auf dieser Welt werden die gleichen Empfindungen mit dieser Musik teilen. Für Fans ein Muss.

Will Lücken

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