Musik: Alan Woerner – Retro

Nix los auf dem aktuellen Musikmarkt? Ein Griff in die Retro-Kiste … und siehe da, ich erwische die alte Vinylplatte des einzig wahren Desperado der deutschsprachigen Songwriter-Szene aus den glorreichen Achtziger Jahren: Alan Woerner!

Was? Sie kennen ihn nicht? Zum Glück gibt’s ja bei iTunes das leicht angestaubte Prachtwerk von 1985 „Bis irgendwas passiert“ als CD-Download unter dem neuen Titel „Retro“, und bei weiterer Recherche ein zweites Album aus dem Jahr 2006 mit dem ominösen Titel „109“. Zwei Platten nur hatte der begnadete Komponist und Sänger Alan Woerner in Berlin produziert, aber die haben’s in sich. Seine Texte umfassen die gesamte Palette an Emotionen, kombiniert mit geradlinigen Melodien. Sein Stil schwankt zwischen Rio Reiser und Wolf Maahn. Wer da keine Berührungsängste hat sollte mal hineinhören. Es lohnt sich.

Ich nutze den Vorteil von iTunes und stelle eine Best-Of-Trackliste aus beiden Alben mit folgenden Titeln zusammen:

  • „Nachtflug“, ein düsterer, fetter Song, der mich an Jim Morrison erinnert und an den letzten Flug über die glitzernden Lichter einer entfernten Großstadt.
  • „Die Offene See“, mit seiner typisch stolzen Kapitänsstimme singt Alan Woerner, erfrischender Rhythmus, positive Energie.
  • „Hurensohn“ ein erdiger Bluesrock über den Tod eines ungeliebten Zeitgenossen. „Das hast du nun davon, du Hurensohn“ rotzt Woerner im Refrain, es klingt aggressiv, passt schon.
  • „Wie Berlin“ ist grandiose, zeitlose Popmusik. Strophe, Bridge, Refrain … alles vom Feinsten. Der Song ist der, 1991, im Zenit ihrer Karriere verstorbenen, hochtalentierten Pop-Sängerin Cosa Rosa gewidmet.
  • „Rififi“, geschmeidig wie eine Katze auf dem Blechdach schleicht sich dieser Song in die Gehörgänge, setzt zum kraftvollen Sprung an und entwickelt sich zu einer dynamischen Synthie-Popnummer mit deutschen Topstars der 80er.
  • „Komm, wir fliegen zum Mond“ klingt wie eine Kifferhymne, lässig, schnodderig, man ist dem Refrain voll ausgeliefert und kann kaum widerstehen.
  • „Ohne dich bin ich nur halb“, ein dominantes, weiches E-Piano prägt diese Gute-Nacht-Ballade.
  • „Die Sterne tanzen zwischen uns“: charmant und total easy.
  • „Du liebst doch nur die Liebe und nicht mich“, ist vielleicht eine der schönsten Balladen im deutschsprachigen Genre, eine moderne Version von „Werthers Leiden“, geht echt unter die Haut.

Und zu guter Letzt: Der dämonische Videoclip „DesOrient Express“ von 2010, veröffentlicht in seiner Website.

Fazit

Der jetzt in Hamburg lebende Alan Woerner schaffte den Spagat zwischen spielerisch-leichter Kost und tiefgründiger Seelenmusik. Das erfordert eine gewisse Stimmung, die per se nicht immer vorhanden ist, wenn doch, dann fühlt es sich an wie die Entdeckung einer Goldmine.

Will Lücken

Ergänzende Links

2 Gedanken zu „Musik: Alan Woerner – Retro“

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