Mike Oldfield: „Man On The Rocks“ (2014)

Multiinstrumentale Bombastinszenierungen, wie sie Mike Oldfield schon mehrfach in seiner langen Karriere präsentiert hat, sollte man auf seinem 25. Studioalbum nicht erwarten. Die heiße Sonne und das blaue Meer seiner neuen Heimat Bahamas haben den Meister auf das besinnen lassen, was er am besten kann: Gitarre spielen und somit ist der doppeldeutige Titel des Albums Programm.

Im Gegensatz zur letzten CD „Tubular Beats“ (die zugegeben ein Electronic-Trance geprägtes Werk von Inselnachbar YORK war) gibt’s endlich wieder richtig neue Songs, handgemacht, rockig, „back to basic“. Allerdings hinterlässt die Karibik gleich im ersten Track seine Spuren: „Sailing“ klingt so penetrant nach Sunshinefeeling, dass dieser Song auch auf Mallorca als Mitgrölnummer seine Runden ziehen könnte. Egal, in Oldfields Studio trafen sich international erfahrene Musiker: der Bassist Leland Sklar, Drummer John Robinson und der junge Sänger Luke Spiller, eine wundersame Mischung aus Peter Pan und Alice Cooper.
Lange Rede, kurzer Sinn: der „Shooting Star“ der neuen Platte heißt Luke Spiller!
Sein einzigartiger Gesang prägt das gesamte Werk, sodass teilweise der Meister nur zur Begleitung an der Gitarre reduziert wird. Doch keine Sorge, Mike Oldfield zeigt bei jedem seiner umwerfenden Soli, wo der Himmel voller Gitarren hängt. Überraschend auch die Hardrocknummern wie „Chariots“ oder „Irene“, man könnte meinen U2 oder die Rolling Stones sind auch dabei. Egal, es gibt genügend spektakuläre Knallersongs, die das Album auf ein anspruchsvolles Niveau hieven: das überwältigende Titelstück (siehe beigefügten Videolink, aufgenommen in Mike Oldfields Villa), das tiefgründige „Nuclear“, das luftigleichte „Dreaming in the Wind“ oder die ruhige Perle „Following the Angels“ u.a.
„Man on the Rocks“ zeichnet sich durch mehrere Komponenten aus: starker Gesang von Luke Spiller, rockige Gitarrenspielkunst vom Meister selbst und eine aufregende Mischung aus einprägsamen, grandiosen Melodien. Super-Album!

http://vevo.ly/gBqULo

4 Gedanken zu „Mike Oldfield: „Man On The Rocks“ (2014)“

  1. Danke für die schöne Kritik! Genau so sehe bzw. höre ich das neue Album auch. Es gefällt mir außerordentlich gut, und als (verwöhnter) Oldfield-Fan seit über 30 Jahren heißt das was!

  2. Hallo Will, liebe M.O.-Hörer,
    ich kann Will bei den meisten Kritikpunkten nur zustimmen, möchte Euch aber mit meinem Mike Oldfield-Erlebnis ein wenig ‚langweilen‘.
    Nun, das offizielle Release in Deutschland war ja gestern, am 07.03.2014. Ich bin also gegen 05.00h in der Früh aufgestanden und hab mir die vorbestellte DeLuxe Version runtergeladen, oh, sorry ‚downgeloadet‘! Ich hab sie als Audio auf 2 CD’s gebrannt und während der Fahrt zur Arbeit ‚kurz‘ durchhören wollen; mir ist sofort aufgefallen, wie gut dieses Album produziert und gemasterd wurde – was für ein toller Sound, ich bekam eine Gänsehaut nach der anderen….. So weit der Morgen.
    Am Abend gegen 19.00h entfachte ich mein Lagerfeuer, nix großes, 1,40 Durchmesser, das Holz etwa 50cm hoch gestapelt. Ich mixte mir einen Seagramms 7crown mit Afri-Cola und etwas Eis (das liebe ich & gönne es mir 2-3 Mal im Jahr!)
    Ich öffnete mein MacBook pro, steckte den Bayerdynamic DT880 pro Kopfhörer in das externe Interface ‚Audio Kontrol 1‘ von N.I. (- nur damit Ihr nachvollziehen könnt, womit ich die Musik gehört habe 🙂 ….und während die ersten Flammen die Nachtluft leckten, orange Funken in den Abendhimmel tanzten erklangen die ersten Töne von Sailing in meinen Ohren und ein angenehmer Schauer überkam mich….. Moonshine und Man on the Rocks brachten meine Augen dazu das Feuer immer verschwommener zu sehen, ich war absolut fasziniert – Luke Spillers Stimme ist genau das, was auf älteren Alben fehlte, eine Stimme mit Charakter, bisher haben doch ziemlich oft ‚Märchen-Onkel-Stimmen‘ in Mikes Musik Platz gefunden (von einigen Ausnahmen abgesehen).
    Ich hatte noch die beiden neuen Musik-Videos vor Augen (Sailing und Man on the Rocks), diese haben die Gefühle in mir unheimlich verstärkt…!!!!
    Mikes Gitarre findet wieder zu den Wurzeln (mehr Stratocaster als bei den letzten Alben, bei denen er seiner PRS den Vortritt gab), er hat aber auch einen anderen Stil in sein Gitarrenspiel gebracht, dieser gefällt mir sehr, sehr gut. Gerade bei den Rock/Pop-Tracks fällt dies auf. Da macht seine Rockmusik richtig Spaß !!!
    Bei ‚Dreaming in the Wind‘ findet Ihr den Gitarrensound von ‚Maya Gold‘ wieder – noch eine Gänsehaut!!!
    Aber auch die Begleit- und Background-Instrumente sind wohl definiert ausgesucht und arrangiert. Die irisch-schottischen Einflüsse sind besonders mit guten Lautsprechern oder Kopfhörern zu entdecken, auch bei den Synthies hat Mike wieder einen goldenen Griff gehabt. Die Klangteppiche, die sich oft erst langsam ausbreiten (so wie es oft in Mikes Musik stattfindet) erzeugen immer wieder einen wohligen, ergreifenden Schauer !
    Ja, objektiv betrachtet, könnte man sagen, dass dieses Album jede Menge ‚Hits‘ enthält, von denen ich hoffe, auch mal welche im Radio zu hören, dort ist ja mittlerweile eine solche Mittelmäßigkeit eingekehrt, ewig die selben Sounds, dass Mikes Musik der Welt gut tun würde.
    Mike Oldfield schafft es seit 1978 mich immer wieder zu Überaschen, wenn auch nicht immer positiv, so ist er aber trotz alledem der Meister seines Fachs und dieses Album ist, nachdem ich es in dieser Nacht 4 x komplett gehört habe ein absolutes ‚Masterpiece‘ !!!
    Auch wer M.O. nicht wirklich mag – hört es Euch ganz in Ruhe an und urteilt erst dann.
    Viel Spaß auf dieser musikalischen, fantastischen Reise 🙂
    Euer York / Flanger-Project

  3. Hey York, danke für dieses Feedback. Ich setzt noch einen drauf: Schon jetzt ist diese CD ein Kandidat fürs Album des Jahres.

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