Joachim Witt: Neumond (2014)

Joachim Witt steht mal wieder unter Starkstrom und lässt den Hörer auf seiner neuen CD an dieser unbändigen Energie teilhaben. Wer sich also an die ruhigere Gangart seines letzten Albums „Dom“ gewöhnt hat, wird hier eventuell enttäuscht sein. Denn auf seinem Meisterwerk „Dom“ aus 2012 hatte Witt gleich mehrere Balladen von einer bahnbrechenden Qualität und Intensität geliefert, die man kaum noch toppen konnte. Vielleicht widmete sich daher der einstige Vorreiter der Neuen Deutschen Welle auf „Neumond“ überwiegend dem powergeladenen Alternativrock mit Gothic-Einflüssen.

Die Texte sind geprägt von Schmerz und Seelenqual, beinhalten jedoch auch immer die Option zu Auswegen aus dem Dilemma. Joachim Witt ist trotz aller Bitterkeit ein Optimist. Die Musik ist kompromisslos kraftvoll und erinnert häufig an „Unheilig“ oder „Rammstein“. Allerdings, einen verblüffend „anderen“ Witt gibt’s auf der Special-Edition. Da singt er sogar in englisch, zusammen mit Ambient-Sängerin Lisa Gerrard: „Hoping“ mag für eingefleischte Fans schwer verdaulich sein, überzeugt aber durch Klasse. Ebenso die lässige Song-
writerperle „96 Tage“, verspielt-charmant und ganz entspannt. „So ist der Herbst“ klingt wuchtig und monströs und irgendwie anders. Eine interessante Punkversion des Openers
„Aufstehen“ unter neuem Titel „Was“ setzt den Schlusspunkt. Fazit: Der Künstler Joachim Witt kehrt auf seinem (regulären) Album „Neumond“ zurück zur altbewährten Stärke: schnörkelloser Elektronikrock mit aufwühlenden Texten. Was richtig Neues gibt’s als Bonus.

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